Pflanzenmythen und Märchenpflanzen

Der Wacholder in der Heilkunde:


Im Mittelalter wurde der Wacholder gegen die Pest und andere Seuchen eingesetzt. Es wurden in den Städten große Wacholderfeuer entfacht. Außerdem aßen die Menschen die Beeren des Wacholders um sich gegen die Pest zu schützen.

 

Auch heute noch werden Sterbe- und Krankenzimmer in einigen Regionen teilweise noch mit Wacholderrauch desinfiziert.

 

In der heutigen Pflanzenheilkunde werden die Wacholderbeeren bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt, außerdem bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Haut.





Der Wacholder

(Juniperus communis)

 

 

 

Über den Wacholder:

Der Wacholder ist ein langsam wachsendes, immergrünes Zypressengewächs. Er trägt ca. 1cm lange, blauweiß bereifte Nadeln. Die schwarzblauen Beeren hängen drei Jahre, bis zur vollständigen Reife, am Strauch.

 

 

 

Der Wacholder - Sagen, Mythen, Bräuche, Märchen, Aberglaube, Symbolkraft... eine kleine Auswahl:


Vor dem Holunder sollst Du den Hut ziehen,

vor dem Wacholder sollst Du Dich verneigen!“


Schon in diesem Volksspruch spiegelt ich die Bedeutung des Wacholders für unsere Vorfahren wieder.


Die heilkräftige und desinfizierende Wirkung der Wacholderbeeren und des Rauches war bereits im Altertum bekannt, aber nicht nur gegen Krankheiten, sondern auch gegen Dämonen, Hexen und den Teufel sollte der Wacholder Schutz bieten.

So gab es allerlei Bräuche, zum Beispiel verwendete man in Süddeutschland Rührstecken aus Wacholderholz mit welchen die Butter gerührt wurde um zu verhindern das Hexen dafür sorgen könnten das diese Misslingt. Es wurden Wacholderzweige beim Hausbau mit eingearbeitet oder über die Tür gehängt um Dämonen und Geister fernzuhalten oder auch zum gleichen Zweck das Haus und die Ställe mit Wacholderrauch ausgeräuchert.


Der Wacholder steht, als immergrüne Pflanze, aber symbolisch ebenfalls für die Unsterblichkeit und die Wiedergeburt und spielt eine Rolle als Lebensbaum. In einigen seiner Namen wie z.B. „Queckholder“ spiegelt sich das wieder, „queck“ ist althochdeutsch und bedeutet: "lebendig".

So sollte der Wacholder dem Wanderer der sich einige seiner Beeren in den Hut legte eine größere Ausdauer bescheren und verhindern das er sich wund lief.

 

Aber nicht nur das!

Der Wacholder galt als so mächtig, dass er sogar Tote wieder lebendig machen sollte,wie etwa in dem, recht schaurigen, Märchen vom Machandelbaum (Wacholderbaum auf Plattdeutsch), in welchem einem Jungen von seiner eifersüchtigen Stiefmutter mit dem Deckel der Apfelkiste der Kopf abgeschlagen wird.

Anschließend versucht sie ihre Tat zu verheimlichen indem sie den Stiefsohn auf einen Stuhl setzt, den Kopf wieder auf den Hals setzt und ein Halstuch umbindet.

Die Stiefmutter hält ihre Tochter dazu an den Jungen kräftig zu schütteln woraufhin der Kopf herunter fällt und die Stiefmutter dem Mädchen vorwirft den Halbbruder getötet zu haben.

 

Damit der Vater nichts erfährt kocht sie den Jungen zu Suppe und gibt diese dem Vater zu essen, sie behauptet der Junge wäre weggelaufen. Das Mädchen bindet die Knochen des Toten Bruders in ein Tuch und legt sie unter einen Wacholderbaum (den Machandelbaum). Aus den Knochen wird ein schöner Vogel der umherfliegt und für seinen Gesang mit den Worten:


Mein Mutter, der mich schlacht’,
mein Vater, der mich aß,
mein Schwester, der Marlenichen,
sucht alle meine Benichen,
bind’t sie in ein seiden Tuch,
legt’s unter den Machandelbaum.
Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“


Ein Paar Schuhe, eine goldene Kette und einen Mühlstein erhält.

Er kehrt zurück nach Hause schenkt dem Vater die Schuhe, der Schwester die Kette und erschlägt die Stiefmutter mit dem Mühlstein. Daraufhin wird aus dem Vogel wieder der Junge.


Die Mistel
Viscum album

 

 

 

 

 

 


Über die Mistel:
Die Mistel ist ein kleiner, kugelig wachsender immergrüner Strauch mit ledrigen Blättern und unscheinbaren gelbgrünen Blüten die kleine weiße Beerenfrüchte ausbilden. Die Mistel wächst als Schmarotzer, je nach Unterart, auf Laub- und Nadelbäumen, außer auf Buchen. Eine weitere Besonderheit ist, dass gegen den übrigen Verlauf in der Natur die Früchte der Mistel im Winter heranreifen.

 

 
Die Mistel - Sagen, Mythen, Bräuche, Märchen, Aberglaube, Symbolkraft... eine kleine Auswahl:
Die Mistel steht in der Mythologie häufig in Zusammenhang mit Sterben, Tod und der Unterwelt.
Äneas (eine bedeutende Figur in der griechsich/römischen Mythologie) drang in die Unterwelt vor und konnte mit Hilfe eines magischen Mistelzweiges aus dieser zurückkehren. 
Der Gott Merkur, geleitete die verstorbenen Seelen in das reich der Toten, den Hades, die Pforten schloss er mit einem Mistelzweig auf.


In der Nordischen Mythologie ist es ein Mistelzweig der dem Gott Balder, Sohn von Odin und Frigg den Tod bringt. Balder träumt von seinem nahen Tod woraufhin Frigg allen Wesen, Pflanzen und Steinen das versprechen abnimmt ihrem geliebten Sohn keinen Schaden zuzufügen, nur die Mistel lässt sie aus. Bei einem Spiel der Asen, bei dem sie auf den unverwundbaren Balder mit Speeren, Steinen und Stöcken zielen, leitet Loki, Balders blinden Bruder Hödur an und gibt ihm zum schießen eine Pfeilspitze aus einem Mistelzweig mit dem Balder tödlich getroffen wird.


Den Kelten war die Mistel ein heiliges Zauberkraut. Es wurde das Ritual des Mistelschneidens der Druiden mit einer goldenen Sichel (vermutlich war sie wohl aus Bronze oder höchstens vergoldet, aber so wurde es eben überliefert, Zeitzeugen dürfen mich gerne korrigieren ;-) ). Dieses Ritual kennen auch viele aus den Asterix Comics, wo die Mistel ein wichtiger Bestandteil des legendären Zaubertrankes ist.


Das Ritual vom Kuss unter dem Mistelzweig, soll dem Pärchen Glück bringen, wahlweise sogar die ewige Liebe, steht ein Mädchen unter einem Mistelzweig darf sie einen Kuss nicht ablehnen und steht sie unter einem Mistelzweig und wird nicht geküsst so wird sie dem Brauch nach im kommenden Jahr nicht heiraten.
Woher der Brauch genau stammt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Im sehr lesenswerten Buch: „Lexikon der Frauenkräuter“ von Margret Madejski, wird beschrieben, dass er seinen Ursprung in die Zeit des alten Babylon hat.

Es musste jede Frau sich einmal in Ihrem Leben im Tempel der Melitta der Prostitution hingeben und setzte sich dafür wartend unter einen Mistelzweig bis ihr der Erste symbolisch eine Münze zuwarf. Die Frauen durften auch nicht ablehnen, weiterhin galten die Kinder aus diesen Verbindungen dann als Halbgötter.


Letztlich geriet im Zuge der Christianisierung die Mistel als Hexenkraut in Verruf, sie wurde als Werkzeug des Bösen gesehen man sagte auch, dass da wo sie wuchs der Alp (ein Nachtgespenst) gesessen haben soll.
Wahlweise galt sie aber auch als schutzmagisch. Vor allem als Schutz gegen Verhexungen und den Bösen Blick wurden  aus der Mistel Amulette angefertigt.

Die Mistel in der Heilkunde:
In der Vergangenheit wurde die Mistel als Mittel gegen die Fallsucht (Epilepsie) eingesetzt.


Auch in der Frauenheilkunde fand und finden verschiedene Mistelzubereitungen teilweise noch Verwendung. Bei Kinderwunsch, Neigung zu Fehlgeburten, aber auch bei Myomen, Brustknoten, Endometriose und weiteren gutartigen Neubildungen.


Weiterhin wird die Mistel traditionell bei zu hohem Blutdruck und Verhinderung von Arteriosklerose verwendet.


Heutzutage ist aber wohl vor allen Dingen ihr Einsatz in der Krebstherapie bekannt.

Efeu
Hedera helix

 

 

 

Über den Efeu:
Der Efeu ist eine immergrüne Kletterpflanze, die sich mit Haftwurzeln an Bäumen, aber auch Hausfassaden festhält und eine Höhe von bis zu 20m erreicht. Die blau-schwarzen Früchte reifen im Winter.
Alle Teile des Efeus sind bei Verzehr und Überdosierung giftig!

 

 

 



Der Efeu - Sagen, Mythen, Bräuche, Märchen, Aberglaube, Symbolkraft... eine kleine Auswahl:
Efeu und ein zärtlich Gemüt,
heftet sich an und grünt und blüht,
kann es weder Stamm noch Mauer finden,

es muß verdorren, es muß verschwinden.
Johann Wolfgang von Goethe
(*28.08.1749, †22.03.1832)

Der Efeu steht als Symbol für die Treue: solange er halt findet kann ihn nichts von seinem Partner trennen, sogar über den Tod hinaus. Wenn er sich an einem Baum empor gerankt hat und seine Rinde mit seinem Blätterkleid bedeckt, bleibt er auch mit ihm verbunden wenn der Baum stirbt.


Im antiken Griechenland war der Efeu (sowie der Wein) dem Dionysos/Bacchus , Gott der Fruchtbarkeit des Rausches und des Weins, geweiht. Er symbolisiert Geselligkeit, Heiterkeit und Freundschaft. Man schätzte auch seine Heilkraft nach übermäßigem Rausch bei Kopfschmerzen und Verkaterung.

Den Druiden der Kelten war der immergrüne Efeu als Symbol des Lebens heilig und stand für Unvergänglichkeit und Wiedergeburt. Bis heute verkörpert er die Unsterblichkeit.
Als keltischer Brauch wurden außerdem Efeukränze den Gottheiten der Quellen und fließenden Gewässer geopfert, um reines Trinkwasser zu erhalten, heute noch wird auf Bauernhöfen mit eigenem Brunnen in der Normandie nach dem Winter ein kleiner Efeukranz oder ein Efeuzweig in das Wasser geworfen.

In der Legende um Tristan und Isolde steht der Efeu als Symbol für die Verbundenheit der beiden Liebenden über den Tod hinaus. Beide wurden wohl an zwei verschiedenen Seiten einer Kirche begraben, es wuchsen Efeustöcke aus Ihren Gräbern welche sich hochranken und dann über dem Dach der Kirche vereinten, da es sich bei Tristan und Isolde aber um eine Legende keltischen, germanischen oder orientalischen Ursprungs handelt, wird es sich dabei wohl um ein symbolisches Bild der neueren Überlieferungen handeln.

 

 

Der Efeu in der Heilkunde:

 

Der Efeu findet vor allem bei Atemwegserkrankungen Anwendung und ist Bestandteil von Hustenmitteln und -tees.


Äußerlich wird er bei Cellulite, Hautentzündungen, Ekzemen und Hühneraugen verwendet.

Vor einigen Jahrhunderten wurde der Efeu noch vermehrt in der Frauenheilkunde eingesetzt, sowie bei Kopfschmerzen, Leber-, Milz- und Gallenleiden.




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